Eindrücke vom Adventsbazar

Zöpfe flechten, Kleidchen bügeln, Knopf annähen - morgen ist Adventsbazar

Wir sind mitten in einer Großfamilie gelandet, einer Großfamilie mit vielen, vielen Kindern - Puppenkindern genauer gesagt. Hand in Hand dekorieren die "Puppenmütter" die Verkaufstische mit blauen Tüchern, arrangieren ihre ihnen im Laufe der Arbeit ans Herz gewachsenen Mädels und Buben zu kleinen Grüppchen und organisieren nebenbei noch Verlängerungskabel für die Beleuchtung des Weihnachtbaumes.

Pünktlich zur Vorbesichtigung am Bazartag sitzen sie in ihren kleinen Stühlchen, schlafen in Körbchen oder präsentieren sich stolz hinter Puppenschulbänken. Ein Rundgang, durch die wie von Zauberhand in eine Puppenstube verwandelte Buchbindewerkstatt erwärmt Herz und Seele der kleinen und großen Besucher. Der Lohn der recht zeitaufwändigen Arbeit sind die strahlenden Augen der Kinder beim Anblick der Puppen oder wenn sie eine Puppe auswählen dürfen. Erinnerungen an die eigene Kindheit, an den Zauber des Weihnachtsabends an die erste Puppe werden bei den Erwachsenen wach. Hier ist Zeit für Gespräche. Gerne geben die Puppennäherinnen Auskunft darüber, welche Puppe für welches Alter in Frage kommt.

Eine Waldorfpuppe kann nicht ausgetauscht werden, sie nimmt den Geruch des Kindes an und darf nur in Notfällen gewaschen werden. Sie ist Wegbegleiter und Seelentröster. Man muss sie einfach in die Hand nehmen, die Schlamperpüppchen für die Allerkleinsten, die durch ihre scheinbare Einfachheit bestechen. Und doch steckt die Kunst in der möglichst einfachen Gestaltung, sie gibt der Phantasie des Kindes freien Raum. Das angedeutete Gesicht der Puppe wird durch die Vorstellungskraft des Kindes vollendet. Sie kann sich freuen, weinen oder lachen, traurig sein oder schlafen. Bevor die Türen des Puppenzimmers zum Verkauf geöffnet werden, warten Puppenliebhaber aller Altersklassen geduldig auf Einlass.

In der Zeit der Vorbesichtigung geschieht es, man verliebt sich in eines der liebenswerten Puppenkinder und möchte dieses gerne mit nach Hause nehmen. Oft fällt die Entscheidung schwer, da jedes Püppchen einzigartig ist - einzigartig, wie jedes unserer Kinder. Doch welche Heinzelmännchen stecken dahinter, um diese große Familie entstehen zu lassen? Waldorfpuppen können nicht am Fließband gefertigt werden. Jede Puppe ist ein Unikat, hat ihren eigenen Ausdruck und für ihre Herstellung braucht es zwei liebevolle, sorgfältige Hände und viel Zeit. Ebenso wie die einfache Gestaltung gehört die sorgfältige Wahl der Materialien zum Qualitätsmerkmal einer Waldorfpuppe.

Jeden Montag um 20.00 Uhr trifft sich der Puppenkreis, bestehend aus 8 -10 Frauen, zum gemeinsamen Arbeiten und zum Gedankenaustausch. Daneben arbeiten einige Frauen seit vielen Jahren zu Hause und bringen ihre Puppen zum Verkauf. Die Gruppe würde sich über Zuwachs im Team freuen, damit die Schule auch in Zukunft viele Puppenkinder anbieten kann.